Praktikumsbericht Florian: Februar 2016

Mein Praktikum im Büro von Notz sehnte ich lange herbei. Politische Arbeit in der Praxis zu erleben und nicht nur in der Theorie zu behandeln, war etwas, was ich in meinem eingelegten Urlaubssemester unbedingt erfahren wollte. Nun war es soweit, mein erster Tag. Am frühen Montagmorgen wurde ich von Bettina am Pförtner abgeholt. Sie führte mich gut gelaunt in das Büro, in dem ich dann von allen begrüßt und vorgestellt wurde: Jörn, Marlene und Konstantin. 

Alles begann sehr entspannt. Nach der Mitarbeiterrunde durfte ich meinen Hausausweis abholen. Dieser muss immer vorgezeigt werden, um ohne Sicherheitskontrolle am Pförtner in die Gebäude des Deutschen Bundestages zu gelangen. Nachdem ich diesen erhalten habe, ist Bettina mit mir erst einmal den Wochenplan durchgegangen. Sie erklärte mir in welchen Gremien und Sitzungen ich mich mit hinein setzen durfte (das waren erstaunlich viele!) und zeigte mir anschließend meinen Arbeitsplatz: einen eigenen Schreibtisch direkt im Büro von Jörn und Marlene.

Während ich mich dort einrichtete, erklärte mir Jörn, dass der Alltag eines Abgeordneten im Deutschen Bundestag aus Sitzungswochen und Nicht-Sitzungswochen besteht. In den Sitzungswochen bleibt der/die Abgeordnete in Berlin, um der parlamentarischen Präsenzpflicht nachzukommen. In den Nicht-Sitzungswochen fährt Konstantin dann meist in seinen Wahlkreis nach Schleswig-Holstein. Mein Praktikum begann mit zwei Sitzungswochen hintereinander und ich sollte bald wissen, was das heißt.

Von Innenausschuss-Sitzungen zu persönlichen Terminen, Fernsehinterviews, Fraktionssitzungen, Reden im Plenum, AG Sitzungen, Sitzungen im Untersuchungsausschuss, Besuchergruppen in Empfang nehmen, Pressegesprächen ─ der Arbeitsalltag in Sitzungswochen war ebenso vielseitig wie auch spannend, aber vor allem sehr intensiv.

Nach der ersten Sitzungswoche habe ich sehr viel Input über die Arbeitsteilung der einzelnen Gremien erhalten. So treffen sich am Anfang der Woche die kleineren Gremien, wie AG´s, Mitarbeiterrunde und Arbeitskreise (AK´s), während es im Verlauf der Woche zu den Treffen der höheren Ebenen kam: Ausschüsse, Fraktionen, bis hin zum Plenum. So konnte ein geordneter Informationsfluss von unten nach oben getragen werden und sicher gestellt werden, dass die wesentlichen Neuigkeiten in allen Gremien besprochen werden.

Des Weiteren habe ich die ersten Wochen genutzt, um einen genauen Überblick zu bekommen, wann wo was stattfindet. Konstantins Büro liegt im Jakob-Kaiser-Haus, die Ausschüsse finden allerdings im Paul-Löbe-Haus statt. Im Marie-Elisabeth-Lüders Haus sind weitere Büros sowie die schöne und umfangreiche Bibliothek. Im klassischen Reichstagsgebäude befinden sich neben dem Plenum auch die Sitzungssäle der Fraktionen. 

Ich war erstaunt, wie vollgestopft Konstantins Terminkalender war. Er musste viele, ganz unterschiedliche Termine unter einen Hut bringen, die sich nicht selten überschnitten und dabei Kontenance und Routine bewahren. Mit jedem Sitzungstag empfand ich die Diskrepanz zwischen tatsächlicher Arbeitszeit und dem hohem Engagement eines Politikers und der so abweichenden Wahrnehmung von vielen Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland immer größer.

In den weiteren Wochen durfte ich mehrmals bei verschiedenen Abendveranstaltungen mit dabei sein. In diesen ging es, um die Dynamiken in der Netzpolitik und ihre Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Neben den öffentlich stattfindenden Sitzungen des NSA-Untersuchungsausschusses, in denen Konstantin gemeinsam mit Hans-Christian Ströbele regelmäßig gegenüber den Koalitionsfraktionen und Regierungsvertretern um Aufklärung kämpfte, waren solche Abend Veranstaltungen definitiv ein Highlight meines Praktikums. Es war spannend, Konstantin in Diskursen und Debatten zu erleben, die nicht nur innerhalb politischer Gremien, sondern auch außerhalb mit Interessensvertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung stattfanden.

In den sitzungsfreien Wochen war vieles entspannter, was nicht heißt, dass weniger Arbeit vorhanden war. In diesen Wochen werden die Sitzungswochen vor- und nachbereitet. Meine Aufgaben bestanden hauptsächlich darin, eine kleine Anfrage zu schreiben, Blogeinträge zu verfassen und hochzuladen, sowie diverse organisatorische Tätigkeiten durchzuführen.

Das Arbeitsklima im Büro mit Jörn und Marlene war sehr entspannt und trotzdem war oft bei jedem die Konzentration förmlich spürbar. Falls es Fragen gab bezüglich der Aufgaben, die mir übertragen wurden, konnte ich mich jeder Zeit an sie wenden. Ich war glücklich, dass ich nach meinen ersten paar Wochen Eingewöhnungszeit das Gefühl hatte, den beiden tatsächlich in ihrer Arbeit behilflich sein zu können.

Es gab in meinem Praktikum viele kleine Momente, über die ich sehr froh bin, sie miterlebt zu haben und die wohl auch nicht jeder Praktikant so ohne weiteres mitbekommt. So habe ich zum Beispiel den IT-Gipfel der Grünen im Abgeordnetenhaus mit begleitet. An einem anderen Tag wurde das Ausklingen des Jahres 2015 mit der gesamten Fraktion mit einem gemeinsamen Glühwein-Trinken gefeiert. An meinem letzten Tag war ich bei einem Abschied einer Mitarbeiterin mit dabei, die mit am längsten überhaupt in der Fraktion gearbeitet hat.

Für all diese Momente und auch alle weiteren Erfahrungen möchte ich dem Büro Notz sehr danken. Es war vieles neu, interessant und aufschlussreich, auch und insbesondere für mein Studium.

Vielen Dank für die interessanten Erfahrungen und Eindrücke, die ich bei euch erleben durfte.

 

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